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Austausch-Motor angeworfen
Vom Kempener Berufskolleg bis zum litauischen Berufsschulzentrum in Panevezys sind es gut 1600 Kilometer. Kein Problem für die 340 Schüler und acht Lehrer des Kempener Fachbereichs Fahrzeugtechnik. Über ein pädagogisches Projekt mit der baltischen Schule ist der Motor in Sachen Austausch jetzt angeworfen worden. "Im Zuge des Leonardo-da-Vinci-Programms für lebenslanges Lernen haben wir den Zuschlag aus Bonn bekommen, die Zusammenarbeit mit den Kollegen an der Ostsee zu vertiefen", sagt Dr. Hans-Joachim Kornblum, der Leiter des Berufskollegs Kempen. In Bonn hat die Nationale Agentur beim Bundesinstitut für Berufsbildung ihren Sitz.
Zuschlag heißt: Für Mai 2011 haben sechs Lehrer aus Kempen grünes Licht bekommen, dass sie nach Litauen reisen und sich mit ihren Kollegen kurz schließen. "In einem zweiten Aufenthalt sollen sieben Lehrer im Mai 2012 in Litauen das Projekt abschließen", berichtet der Kempener Berufsschullehrer Engelbert Hillen, der lange Fachbereichsleiter Fahrzeugtechnik war und mit Dr. Kornblum die ersten Kontakte vor Ort geknüpft hat. So wurden im Oktober 2009 in Vilnius Kooperationsverträge zwischen Kempen und den Berufsschulen in Panevezys und Vilnius besiegelt.
Der ungewöhnliche Austausch bringt für beide Seiten Vorteile. Die Kempener lernen von den Balten, wie im Unterricht Theorie und Praxis besser verbunden werden kann. Hillen: "Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass dies den Lernerfolg steigert und zu besseren Ergebnissen führt." Die Balten andererseits profitieren vom "Dualen System" in Deutschland: theoretische Inhalte finden in der Berufsschule statt, die Vermittlung praktischer Inhalte in den Ausbildungsbetrieben. Man gibt sich also gegenseitig so etwas wie Nachhilfe.
Für die Kempener Lehrer bedeutet dies, dass sie Lerneinheiten mit praktischen Übungen entwickeln und diese gewinnbringend für den Unterricht anwenden. Hillen: "Ein praktisches Beispiel einer Lerneinheit ist beispielsweise eine Kupplungsreparatur aus dem Bereich der Kfz-Instandhaltung." Am baltischen Belt gibt es mithin Anregungen, wie in Kempen künftig der Unterricht gestaltet wird.
Doch Leonardo strebt nach Höherem. "Es gilt, Kommunikationsbarrieren abzubauen und durch Informationsaustausch und besseres Kennenlernen der Lebens- und Arbeitswelt in anderen Ländern einen Beitrag zum Zusammenwachsen europäischer Länder zu leisten", heißt es in der programmatischen Schrift, mit der die Pädagogen das Projekt nun mit Leben füllen.
Fundament für diesen rasanten Wissens-Transport auf der Ost-West-Autobahn ist eine Initiative des Kreises Viersen, der Schulträger des Berufskollegs Kempen ist. 2008 hat Landrat Peter Ottmann mit einer Delegation aus dem Kreisgebiet die Kontakte nach Litauen geknüpft und vertieft. Der Grundstein für den Austausch war damit gelegt. Eine Partnerschaft mit dem Kreis Panevezys ist zwar noch nicht unterschriftsreif, wird aber bereits gelebt. Bei der ersten Annäherung 2008 erfuhr man, dass es sowohl in Panevezys als auch in Vilnius vergleichbare Berufsschulzentren mit einem großen Kfz-Bereich gibt. "Was liegt da näher, als dass man die Köpfe zusammensteckt und die Ausbildung auf beiden Seiten auf ein höheres Niveau hebt", zeigt sich Ingo Schabrich, der Schuldezernent beim Kreis Viersen, von der Initiative begeistert.
Auch auf litauischer Seite ist der Wissensdurst groß: Beide Schulen dort haben Anträge bei ihrer Leonardo-Agentur gestellt und werden das Berufskolleg Kempen voraussichtlich im September 2010 sowie im September 2011 besuchen. Die Schüler sollen schließlich davon profitieren, ein Auszubildenden-Transfer wird zurzeit vorbereitet. "Geplant sind Auslandspraktika von mindestens drei Wochen Dauer", sagt Engelbert Hillen.
----- Nachricht vom
4.6.10 12:35
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